Selbstverständnis

In unserem Selbstverständnis sprechen wir oft von Menschen/ Personen/ Individuen. Wir verstehen darunter nicht, wie in der Mehrheitsgesellschaft üblich, männliche, weiße Mittelschichtsmenschen, sondern wünschen uns, dass sich alle Menschen damit angesprochen fühlen, auch sonst häufig diskriminierte Gruppen (z.B. Menschen mit Kindern, Menschen mit Behinderung, etc.).

Das Selbstverständnis spiegelt die Vereinbarungen wieder, die die Menschen miteinander getroffen haben, die sich derzeit am Projekt beteiligen. Einige dieser Punkte sind für uns nicht verhandelbar (herrschaftskritische Ausrichtung, Gemeinsame Ökonomie etc.), jedoch wollen wir noch einmal darauf hinweisen, dass nicht alles in Stein gemeißelt ist.

Wenn ihr euch also grundsätzlich für das Projekt interessiert, der ein oder andere Punkt im Selbstverständnis aber nicht euren Bedürfnissen/ Vorstellungen etc. entspricht, freuen wir uns, wenn ihr mit uns Kontakt aufnehmt und somit eure Impulse ins Projekt einfließen lasst. Es gibt sicherlich Aspekte zu einer Thematik, die wir vielleicht nicht bedacht oder aus unserer Perspektive bisher nicht wahrgenommen haben.

* mit einem “*” markierte Punkte werden derzeit diskutiert, da es Änderungswünsche, neue Impulse etc. zu diesem Thema gibt. Solange es keinen neuen Konsens zu diesen Themen/ den Formulierungen gibt, bleibt der alte bestehen.

1 Soziales Miteinander
1.1 Leben mit nichtmenschlichen Tieren
1.2 Heteronormativität? Nein, danke.
1.3 Ordnung und Sauberkeit
1.4 Umgang mit Konflikten
1.5 Gemeinsame Ökonomie
1.6 Verantwortlicher Umgang mit Drogen *
1.7 Waffen *
1.8 Von Repression betroffene Menschen

2 Herrschaftsfreier Anspruch
2.1 Frei von kapitalistischem Denken und Handeln
2.2 Frei von Sexismus
2.3 Frei von Speziesismus
2.4 Frei von Rassismus
2.5 Frei von Religion und Spiritualität *
2.6 Ökologisch/ Nachhaltig

3 Projekte im Projekt

4 Menschen außerhalb des Projekts
4.1 Zu Besuch
4.2 Offene Räume für Menschen die nicht im Projekt leben
4.3 Kontakt mit der Nachbarschaft
4.4 Offenheit statt Abschottung

1 Soziales Miteinander
Wir streben einen gewaltfreien Umgang zwischen den Individuen an. Die Bedürfnisse unserer Mitindividuen wahrzunehmen und zu achten soll zentraler Bestandteil unseres Miteinanders werden/ sein.
Um dies zu erreichen wollen wir versuchen gemeinsam Raum für eine transparente Kommunikation zu schaffen, die es allen Beteiligten erleichtert ihre Bedürfnisse zu äußern (auch nonverbal).
Diese Art und Weise des Umgang ermöglicht uns hoffentlich ein vertrauensvolles und solidarisches Miteinander, in dem sich jedes einzelne Individuum aufgehoben fühlt.
Dazu ist es ebenso notwendig, dass jede Person nach ihren eigenen Kapazitäten aktiv ist/ wird. Das Leistungsprinzip der kapitalistischen Gesellschaft lehnen wir ebenso ab, wie die damit eng verknüpften Herrschaftsstrukturen und deren Reproduktion.

1.1 Leben mit nichtmenschlichen Tieren
Wenn Menschen in das Projekt einziehen und bereits mit nichtmenschlichen Tieren zusammenleben, sind diese Menschen die Hauptverantwortlichen für die mit ihnen lebenden nichtmenschlichen Tiere. Ihre große Verantwortung sollte aber von den anderen Menschen der Gruppe nach ihren Möglichkeiten mitgetragen werden. Da die nichtmenschlichen Tiere häufig auf ein oder zwei Personen fixiert sind, kann diese Unterstützung auch dadurch erfolgen, dass den hauptverantwortlichen Personen anderweitige Pflichten abgenommen werden, damit sie der Versorgung der mit ihnen lebenden nichtmenschlichen Tiere nachkommen können.
Die Bedürfnisse der nichtmenschlichen Tiere sind den Bedürfnissen der menschlichen Tiere gleichgestellt.

1.2 Heteronormativität? Nein, danke.
Jede Person entscheidet nach ihren Bedürfnissen, wie sie leben möchte (ob mono, poly, bi, hetero, homo, …). Dabei wollen wir verantwortungsbewusst mit den Gefühlen aller Beteiligten umgehen.

1.3 Ordnung und Sauberkeit
In den gemeinschaftlich genutzten Räumen sollen alle daran mitarbeiten, dass eine Atmosphäre entsteht, in der sich alle wohlfühlen. Die privaten Räume sollen keine negativen Auswirkungen auf andere Individuen haben.

1.4 Umgang mit Konflikten
Probleme einzelner sollen ernst genommen und nach Bedarf gemeinschaftlich gelöst werden bzw. Unterstützung gegeben werden. Wir wollen Konflikten nicht aus dem Weg gehen oder sie per Mehrheitsentscheid unterdrücken. In Anbetracht dessen wollen wir bewusst Werkzeuge entwickeln und einsetzen, um einen Konsens zu finden.

1.5 Gemeinsame Ökonomie
Die Einkünfte aller sollen in eine gemeinsame Kasse fließen. Jede Person die Geld entnimmt, legt einen Beleg über die Ausgaben hinein. Dies soll in erster Linie geschehen, um zu schauen, wo wir sparen können, wenn es finanziell mal eng werden sollte. Zudem hat jede Person (inkl. Kindern) einen Freibetrag von x € im Monat, über den sie frei, ohne Abgabe von Belegen, verfügen kann.

1.6 Verantwortlicher Umgang mit Drogen *
Wir wollen nicht, dass auf dem Projektgelände illegale Substanzen gelagert und/oder konsumiert werden. Dabei geht es uns nicht um die Akzeptanz einer Auslegung seitens des Staates, welche Substanzen illegal sind und welche nicht. Die Regelung soll uns vor unnötiger Repression schützen.
Allgemein wünschen wir uns einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen aller Art – von Alkohol bis Zucker – so dass die Grenzen der anderen Individuen geachtet werden. Falls ein Mensch ein problematisches Suchtverhalten aufweist, wollen wir nicht wegschauen, sondern in respektvoller Weise nachfragen/ darauf hinweisen.

1.7 Waffen *
Ebenso wie illegale Substanzen wollen wir keine Waffen auf unserem Projektgelände.

1.8 Von Repression betroffene Menschen
Da das Bestreben freiheitlich zu leben, leider immer wieder Repressionen nach sich ziehen kann, ist uns in solchen Fällen die Unterstützung der Betroffenen wichtig.
Abhängig vom Vorfall entscheidet sich die Gruppe/ jede Person, ob und wie sie die von Repression betroffene Person unterstützt.

2 Herrschaftskritischer Anspruch
Auch wenn wir keine Insel im System sein wollen, möchten wir doch versuchen innerhalb des Projekts – aber auch in die Gesellschaft hineinwirkend – einen Umgang frei von Herrschaft anzustreben. Wir wollen uns gemeinschaftlich aktiv mit den bestehenden Herrschaftsverhältnissen auseinandersetzen – die jede Person durch ihre Sozialisation mehr oder weniger verinnerlicht hat – so dass wir uns gegenseitig ermöglichen unser Handeln, inner- und außerhalb des Projekts, in einem stetigen Prozess (selbst) zu reflektieren. Dass wir im Folgenden auf einige Herrschaftsverhältnisse näher eingehen, bedeutet nicht, dass wir nicht genannte für nicht relevant halten und/ oder diese nicht hinterfragen und uns damit auseinandersetzen wollen.

2.1 Frei von kapitalistischem Denken und Handeln
Wir wollen Strukturen schaffen die es uns ermöglichen, nur in geringem Maße am kapitalistischen System teilzunehmen. Ein Hauptziel ist die Minimierung der Lohnarbeit.
Ein Sponsoring des Projekts durch kapitalistische und/ oder staatliche Unternehmen kommt für uns nicht in Frage. Eine enge Zusammenarbeit mit anderen emanzipatorischen Kollektiven würden wir begrüßen.

2.2 Frei von Sexismus
Wir leben in einer von Sexismus geprägten Gesellschaft und sind in ihr sozialisiert worden.
Da die konstruierten Kategorien weiblich/ männlich der Aufrechterhaltung der Herrschaftsstrukturen (insbesondere dem Patriarchat) dienen, die Individuen in ihrem Handeln einschränken und sie zu Konsumgruppen reduziert, möchten wir uns aktiv mit unserer eigenen Geschlechtersozialisation auseinandersetzen. Die aus dem sexistischen Konstrukt entstandenen patriarchalen Strukturen wollen wir überwinden.

2.3 Frei von Speziesismus
Die im Projekt lebenden Menschen versuchen Tierausbeutung nicht zu unterstützen sondern diese aktiv zu bekämpfen. Für das praktische Leben im Projekt bedeutet dies, dass wir keine Tierausbeutungsprodukte konsumieren. Dies erstreckt sich nicht nur auf Ernährung, sondern auch auf Kleidung, Unterhaltung, Kosmetik etc. Wir containern nur vegane Produkte, da auch nicht-vegane, die aus dem Müll stammen, immer noch ein Symbol für die Ausbeutung nichtmenschlicher Tiere durch den Menschen darstellen. Der Gebrauch selbiger kommuniziert somit, dass es sich um eine adäquates Produkt handeln würde.
Da nicht-vegane Lebensmittel für die nichtmenschlichen Tiere jedoch adäquate Lebensmittel sein können, wir aber durch Kauf nicht die Ausbeutung anderer nichtmenschlicher Tiere unterstützen möchten, verfüttern wir auch nicht-vegane, jedoch ausschließlich containerte Lebensmittel.

2.4 Frei von Rassismus
Rassen sind konstruierte Kategorien um andere Individuen zu unterdrücken. Auch hier verfolgen wir den Anspruch frei von diesen Kategorien zu denken und zu leben, was eine aktive Auseinandersetzung mit der Thematik erfordert, da wir in vom Rassismus geprägten Gesellschaften sozialisiert wurden.

2.5 Frei von Religion und Spiritualität *
Das Projekt an sich ist nicht religiös, spirituell oder esoterisch ausgerichtet. Wenn Menschen im Projekt sich selbst jedoch als religiös, spirituell oder esoterisch begreifen, so sollte dies in den privaten Räumen ausgelebt werden können. Eine solche Einstellung darf nicht dazu führen, dass Punkte aus dem Selbstverständnis indiskutabel werden (also dass beispielweise gesagt wird “Der Mensch herrscht über die Tiere” und da Gott dies gesagt hat, ist der Punkt nicht diskutierbar). Ebenso wenig soll das praktische Miteinander dadurch nicht negativ beeinflusst werden (indem z.B. für kranke Individuen gebetet wird, anstatt ihnen Medizin zu geben).
Dass wir uns nicht an religiösen etc. Erkenntnissen orientieren, ist nicht gleichbedeutend damit, dass für uns ausschließlich wissenschaftliche Erkenntnisse von Belang sind. Vielmehr wollen wir unser Handeln am kritischen Denken ausrichten.

2.6 Ökologisch/ Nachhaltig
Wir wollen nach unseren Möglichkeiten einen ökologisch-nachhaltigen Anspruch verfolgen. Für die Praxis bedeutet dies u.a. die Bevorzugung von regional-saisonalen Gütern, effizienter Umgang mit Energie, bevorzugte Mobilität mit Fahrrad und ÖPNV. Um auch hier einen stetigen Prozess voranzutreiben wollen wir versuchen Methoden und Techniken zu entwickeln/ zu übernehmen die nachhaltig(er) sind.

3 Projekte im Projekt
Projekte im Sozialen Blütepunkt sind von der Gemeinschaft befürwortete Unternehmungen, die sich im Rahmen des allgemeinen Selbstverständnisses autonom verwalten. (Dies könnte zum Beispiel eine Gruppe für Selbstversorgung, ein Antitierbenutzungshof, Ökologischer Hausbau etc. sein.) Bei der Ausgestaltung der Projekte sind vor allem die Kapazitäten der Projektgruppe (Menschen, Zeit, Interesse, etc.) und die örtlichen Begebenheiten (verfügbare Räume, Landflächen etc.) zu berücksichtigen.
Den Projektgruppen wird vom SBP ein Etat zur Verfügung gestellt, mit dem das Projekt seine Ausgaben deckt und eigene Rücklagen bildet. Die Projektgruppen dokumentieren ihre Arbeit transparent im Wiki und berichten in der regelmäßig stattfindenden Vollversammlung von ihrer Arbeit.
Sollte es im Projekt Wirtschaftsbetriebe (z.B. Café, Herberge) geben, agieren diese ebenso wie alle anderen Projektgruppen im Rahmen des Selbstverständnisses. Dies beinhaltet auch, dass die Betriebe sich kollektiv organisieren.

4 Umgang mit Menschen außerhalb des Projekts

4.1 Zu Besuch
Menschen, die das Projekt besuchen, werden im Vorfeld auf unser Selbstverständnis hingewiesen und darum gebeten, sich an dieses zu halten. Sie sollen ebenso behandelt werden, wie alle anderen Individuen. Wenn es freistehende Räumlichkeiten oder eine Zeltwiese gibt, können Menschen – im Idealfall nach vorheriger Ankündigung und Bestätigung durch uns im Konsens – gerne das Projekt besuchen kommen. Ggf. kann es nötig sein einen Unkostenbeitrag zu erheben.

4.2 Offene Räume für Menschen die nicht im Projekt leben
Politische Gruppentreffen, Konzerte, Kurse etc. können nach Absprache und nach Möglichkeiten des Projekts – wenn sie Non-Profit/ kollektivistisch orientiert sind – mit Verweis auf das Selbstverständnis stattfinden.

4.3 Kontakt mit der Nachbarschaft
Wir möchten einen freundlichen und offenen Umgang mit der Nachbarschaft. Zudem sind wir darum bemüht mit ihr in Kontakt zu kommen, z.B. über Veranstaltungen, Spielplatz für Kinder etc. Es soll aktiv eine Atmosphäre geschaffen werden, die einen offenen Austausch über Konflikte, benötigte Hilfe etc. erleichtert.

4.4 Offenheit statt Abschottung
Das Projekt versteht sich zwar als Freiraum für die dort lebenden Individuen, es soll jedoch keinen Versuch darstellen, eine Insel im System zu schaffen. Wir wollen versuchen anderen Menschen einen Einblick in unsere Lebensweise zu geben, mit uns in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen.